Die Mode entstand, als Eva beschloß, ihr Feigenblatt zu verkleinern.

Funktion und Symbolik von Mode

Je nach dem, welcher Evolutionstheorie man folgt, war es zu Beginn der Menschheitsgeschichte Mode ein Feigenblatt oder Fell zu tragen. Auch wenn diese Frage durchaus kontrovers diskutiert wird, besteht in jedem Fall Einigkeit dahingehend, dass Kleidung neben Nahrung und Obdach zu den Grundbedürfnissen der Menschen zählt.

Kleidung erfüllt dabei jedoch weit mehr Funktionen, als den Menschen vor Scharm, Regen oder Kälte zu schützen. Sie sendet Signale aus und wird benutzt, um zu zeigen, als was oder wie eine Person erkannt werden will. So kann der modische Ausdruck einer Kleidung zuweilen wichtiger sein als ihre praktische Funktion.

Während der Lendenschurz – ob im wahrsten Sinne des Wortes nun pflanzlichen oder tierischen Ursprungs – noch ausschließlich dem Schutz des Unterleibs diente, kam der Kleidung in der Folgezeit somit bald auch eine ästhetische Funktion zu. Muscheln, Knochenteile oder Tierzähne wurde als Schmuck verwendet. Zudem dauerte es auch nicht lange bis sich ein natürliches Schamgefühl zwischen Frauen und Männern herausbildete und die Kleidung um eine weitere Funktion bereicherte.

In den Industrienationen von heute ist nicht nur Essen, sondern auch Kleidung für die meisten Menschen prinzipiell erreichbar und erschwinglich. Kleidung ist zwar immer noch eng verbunden mit der sozialen Situation und dem Einkommen. Dennoch bildet sie nicht mehr zwingend die soziale Ordnung ihrer Träger ab. Durch standardisierte Produkte, die dem Massenkonsum geschuldete sind, verliert die Kleidung als „Indikator sozialer Ordnung“ daher auch zunehmend an Zuverlässigkeit. Heute ist sie vielmehr Gegenstand einer Geschmacks- und Lebensstilfrage. Zudem steht sie auch nicht mehr als gemeinsames „Klassifikationssystem“ für eine ganze Gesellschaft. Ganz im Gegenteil: Eine Klassifikation ist oftmals nur noch den Eingeweihten möglich.

Es steht außer Frage, dass traditionelle Trachten bis heute das Erscheinungsbild oder wenigstens das Image vieler Kulturen prägen und unwiderlegbar den sozialen Status ihrer Träger untermauern. Dennoch hat Kleidung beginnend im 18. Jahrhundert und mit der industriellen Revolution stetig an Bedeutung als Symbol für eine bestimmte Gesellschaftsschicht verloren. Es gibt dennoch einige informelle Kleidungsregeln, die ohne „legal definiert“ zu sein, breite Zustimmung finden. Dass man sich für ein Bewerbungsgespräch formell und professionell kleidet, ist genauso ein ungeschriebenes Gesetz wie die weißen Kittel der Ärzte oder die repräsentativen Uniformen der Piloten.

Sollten unbearbeitete Tierfelle die Neandertaler vor gut 130.00 Jahren noch ausschließlich vor der Kälte der Eiszeit schützen, zeigten sich zur Zeit der Steinzeit bereits erste „modische Anzeichen“ dafür, dass Kleidung auch der Selbstdarstellung dient, indem sie in Farbe, Form oder Muster erstmals variierte.

Unter den weit gefassten Begriff der Mode ist nach der zumeist herangezogenen Definition von Arnold Hermanns eine durch das menschliche Streben nach Ablehnung und Anpassung bewirkte Änderung der Lebens- und Konsumgewohnheiten breiter Bevölkerungsschichten zu subsumieren. Erst Mode im engeren Sinn der Begrifflichkeit bezieht sich auf Kleidung und Schmuck.  In diesem Kontext findet zur klareren Unterscheidung auch der Begriff der „Kleidermode“ Verwendung, aus dem sich herleiten lässt, dass Kleidung weit mehr Funktionen hat, als ihre Träger vor Kälte zu schützen. Vielmehr dient sie dazu, die Persönlichkeit zu gestalten, Vorzüge zu betonen und Nachteile zu verdecken. Darüber hinaus kann sie ein Ausdruck von Gefühlen sein.

Im Umgang mit Mode werden schließlich aber nicht nur persönliche Präferenzen ausgedrückt, sondern die Menschen zeigen über ihre Kleidung auch Nähe oder aber Distanz zu kollektiven Bedeutungs- und Geschmacksmustern. Über die Art der Schuhe, die Marke der Hose oder die Auswahl und Präsentation von Accessoires kann die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe widergespiegelt werden. Darüber hinaus symbolisiert gemeinsame Kleidung aber auch ein Bedürfnis nach sozialer Nähe. Während ihre Träger einerseits ein Gefühl von Zusammengehörigkeit demonstrieren, grenzen sie sich auf der anderen Seite über ihre Kleidung bewusst von anderen Gruppen ab.  So erlangt die Mode Bedeutung als nonverbale Kommunikationsform. Dies gilt vor allem in Städten, also an Orten, an denen sich der Einzelne in größeren Menschenansammlungen flüchtig bewegt.

 

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